Hilfe für Kinder aus Tschernobyl e.V.

Unser Verein

Wer sind wir?

Im September 1998 gründeten engagierte Bürgerinnen und Bürger aus den Gemeinden Aindling, Pöttmes und Thierhaupten den als gemeinnützig anerkannten Verein "Hilfe für Kinder aus Tschernobyl e.V.", Region Nordschwaben.

Die Initiatorinnen und Initiatoren waren Heidi Bentele, Heide Harlander und Udo Scheuerpflug. Zur ersten Vorsitzenden wurde Heidi Bentele gewählt - sie leitete den Verein mit unermüdlichem Einsatz und prägte ihn über mehr als 23 Jahre. Im Oktober 2021 verstarb sie plötzlich im Alter von 82 Jahren. Bis zuletzt setzte sie sich mit ganzer Kraft für ihre Schützlinge in Gomel ein - ihr Engagement und ihre Menschlichkeit bleiben unvergessen.

Heute führen wir, das langjährige Team der "Tschernobylhilfe" Aindling, gemeinsam mit vielen treuen Helferinnen, Helfern und Unterstützenden den Auftrag von Frau Bentele weiter. Denn die Hilfe für die von der Reaktorkatastrophe besonders stark betroffene Region Gomel ist nach wie vor dringend notwendig. Die Not der Menschen ist groß geblieben: Noch immer erkranken jedes Jahr zahlreiche Kinder und Erwachsene an Leukämie oder geraten durch Krankheitsfolgen in ihrer Familie in existenzielle Notlagen.

Seit Beginn des Krieges in der Ukraine im Jahr 2022 haben sich zudem die Lebensumstände in Belarus erheblich verschlechtert. Es mangelt an dringend benötigten Medikamenten, und viele Kontakte zum Westen sind abgebrochen - was die Situation der Menschen zusätzlich erschwert.

Unsere Arbeit ist seit der Gründung rein ehrenamtlich. Sämtliche Verwaltungskosten werden privat getragen und nicht aus Spendengeldern finanziert. So können wir garantieren, dass jede Spende direkt bei den betroffenen Familien und Kindern ankommt.

Ziele des Vereins

Wir unterstützen Waisenkinder sowie Kinder und ihre Familien aus der weißrussischen Region Gomel, die durch radioaktive Belastung, Armut und schwere soziale Notlagen in ihrer Existenz bedroht sind.

Zu unseren Hilfsprojekten zählt unter anderem die Kinderhämatologie in Gomel, in der rund 50 an Leukämie erkrankte Kinder stationär behandelt werden. Ein weiteres Herzensanliegen von uns ist das Internat für Kinder mit geistigen und körperlichen Beeinträchtigungen in Ulukowje bei Gomel.

Ebenso pflegen wir seit vielen Jahren eine enge Freundschaft mit dem Verein "Kinder des Krieges", dessen Mitglieder als Kinder während des Zweiten Weltkriegs nach Deutschland verschleppt wurden oder hier geboren sind. Darüber hinaus unterstützen wir immer wieder auch einzelne Projekte sowie Familien, die sich in besonders schwierigen finanziellen Situationen befinden und dringend Hilfe benötigen.

Unser Ziel ist es, möglichst allen zu helfen, die unsere Hilfe benötigen. Natürlich sind unsere Möglichkeiten sehr begrenzt, da wir uns ausschließlich aus Spenden finanzieren. Doch wir sind überzeugt: Auch kleine Hilfen können Großes bewirken. Denn jeder Mensch kennt das Gefühl, wenn Dunkelheit und Verzweiflung das Leben bestimmen und man glaubt, ganz allein mit seinem Schicksal zu sein. Genau in diesen Momenten möchten wir da sein - Hoffnung schenken, Trost spenden und sagen: Du bist nicht allein.

zur Übersicht: So helfen wir

Unsere Motivation

Wir fördern keine großen, medienwirksamen Projekte, sondern unterstützen gezielt einzelne Kinder und Familien sowie kleinere Einrichtungen vor Ort.

Lebensmittel werden von unserer Kontaktperson in Gomel je nach individuellem Bedarf direkt vor Ort bestellt. Patenschaften und Soforthilfen erreichen die von uns unterstützten Einrichtungen und Familien unter unserer Aufsicht. Wir kennen jedes Schicksal persönlich und prüfen die Lage regelmäßig dank unserer direkten Kontakte in Gomel.

So können wir sicherstellen, dass die Hilfe ohne Verluste genau dort ankommt, wo sie benötigt wird - und dass unser Einsatz sowie Ihre Spenden tatsächlich und konkret die Not einzelner Kinder und Familien lindern.

Warum gerade Gomel?

Als am 26.04.1986 in Tschernobyl (Ukraine) ein Block des dortigen Atomkraftwerks explodierte, gingen 75 % der dadurch freigesetzten Radioaktivität in einer Wolke über dem nur 70 km entfernten Gomel nieder, der zweitgrößten Stadt Weißrusslands. Dies entspricht der 200fachen Menge der Atombombenexplosionen in Hiroshima und Nagasaki.

Die gesundheitlichen Folgen der bisher größten Umweltkatastrophe sind auch heute, viele Jahre nach dem GAU, in ihrer ganzen Trag­weite noch immer nicht absehbar.

Die Lebensgrundlage ganzer Regionen ist für Jahrtausende verseucht und zerstört (die Halbwertzeit von Caesium beträgt ca. 20.000 Jahre) und trotzdem müssen heute rund 1,8 Millionen Menschen, darunter ca. 480.000 Kinder, in diesen radioaktiv verstrahlten und lebensfeindlichen Gebieten leben.

Da die Schilddrüse ohne Verabreichung von Jod Radioaktivität in hohem Maße speichert, erkranken jetzt im Bezirk Gomel jährlich etwa 40 Kinder an Schilddrüsenkrebs, der vor der Atomkatastrophe dort unbekannt war. Eines der häufigsten Krankheitsbilder und häufigste Todesursache sind besonders aggressive Formen der Leukämie bei Kindern.

Aber auch die folgenden Krankheiten treten seit Tschernobyl in besorgniserregender Zahl auf:

  • Herz- und Gefäßerkrankungen
  • Diabetes
  • drei- bis fünffache zunehmende bösartige Nieren-, Lungen-, Milchdrüsen- und Harnblasentumore
  • Knochen- und Muskelerkrankungen
  • Erkrankungen des Blutkreislaufs wie Leukämie, Anämie und Knochenkrebs
  • nahezu die Hälfte aller Kinder leidet an Immunsystemschwäche
  • Starerkrankungen schon im Kindesalter nehmen erschreckend zu

Heute erkrankt bereits jedes 3. Kind in irgendeiner Form an Krebs. Eine Untersuchung bei 10- bis 15-jährigen Mädchen in Gomel ergab, dass 90 % dieser Mädchen krank sind! Ausserdem ist wissen­schaftlich erwiesen, dass bei neugeborenen Kindern in verseuchten Gebieten genetische Störungen zu schweren körperlichen Miss­bildungen führen. Dabei stehen die Betroffenen erst am Anfang unüberschaubarer Probleme und genetischer Spätfolgen, die sie noch über Generationen hinweg belasten werden. Laut Aussagen der dort behandelnden Ärzte steigt die Zahl der Neuerkrankungen besorgniserregend an.

Die aktuelle politische Lage in Belarus führt dazu, dass offizielle Statistiken oftmals nicht der Realität entsprechen. Zahlreiche kontaminierte Gebiete werden aus wirtschaftlichen Gründen für "sauber" erklärt und bebaut. Die Bevölkerung wird sogar dazu ermutigt, diese Regionen wieder zu besiedeln. Dabei haben viele radioaktive Stoffe eine extrem lange Zerfallszeit - es wird noch Jahrhunderte dauern, bis die Folgen der Tschernobyl-Katastrophe verschwunden sind.

Die traurige Wirklichkeit zeigt sich in der erschreckend hohen Zahl an Kindern und Jugendlichen, die an Leukämie erkranken. Viele von ihnen stammen aus sozial schwachen Familien und sind dadurch doppelt belastet: Neben der Krankheit fehlt es oft an den finanziellen Mitteln für gesunde Ernährung, medizinische Versorgung und die dringend notwendige Unterstützung im Alltag.

Hilfe ist also dringend und langfristig nötig!

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Kultureller Austausch

Da Weißrußland ein uns kulturell sehr nahestehendes Land ist, begeistert es durch seine große Liebe zu Tanz und Musik. Von Anfang an pflegen wir engen Kontakt zum Philharmonischen Chor Gomel (Jelena Sokolowa), zu verschiedenen Tanz- und Volkoregruppen. Viele Besucher konnten sich bei verschiedenen Konzerten und Aufführungen in unserer Region von der hohen Qualität der Künstler überzeugen.

Im Gegenzug reiste die schwäbisch-bayerische Musikgruppe "Überzwerch" aus Thierhaupten mit ihren beiden Bürgermeistern nach Gomel. Ihr Anliegen war es, den kranken, armen und traumatisierten Kindern eine unvergessliche Woche zu bereiten. Mit bayerischer Musik, dem Auftritt des Clowns aus dem Gomeler Zirkus, mit Luft­ballons, Essen, Trinken, Eis, Obst, Schokolade und Pizza wurden insgesamt 800 Kinder beglückt. Sämtliche Kosten wurden durch Spenden der Gruppe Überzwerch getragen.

Im Jahr 2014 besuchten uns darufhin die Musikerinnen und Musiker des Orchesters der Musikschule in Wetka. Mehrfach traten die Ensembles aus beiden Ländern gemeinsam in Deutschland auf und begeisterten das Publikum. Dabei entstand ein besonderes Gefühl von Gemeinschaft, das keine Sprachbarrieren kennt und Menschen über Grenzen hinweg verbindet.

zur Fotogalerie: Besuch aus Weissrussland 2014